Am 9. Oktober 2022 errichtete die Stadtgemeinde Ferlach/Borovlje vor der Kindergartengasse 5 eine neue Gedenktafel mit der Inschrift “In diesem Hause wurde am 10. Oktober 1920 über die Freiheit Kärntens abgestimmt”. Das ist aus mehreren Gründen problematisch: Zum einen ist die Aussage falsch und irreführend, da bei der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 nicht über „die Freiheit Kärntens“, sondern über die staatliche Zugehörigkeit Südkärntens abgestimmt wurde. Zum anderen erweckt die Tafel den Anschein, das Haus wäre ansonsten historisch uninteressant. Dabei hat es in Wahrheit eine noch viel bewegtere Geschichte: Es wurde 1908 vom “Deutschen Kindergartenverein Ferlach” errichtet, 1923 vom “Deutschen Schulverein Südmark” übernommen und ging 1938 in der nationalsozialistischen “Volkswohlfahrt” auf. Ab 1945 war im Gebäude erneut ein Kindergarten untergebracht, in dem – lange Zeit noch ausdrücklich! – nur Deutsch gesprochen wurde.
Wir sind der Meinung, eindimensional problematische Gedenkkultur wurde in Kärnten/Koroška zu lange ertragen und ist gesellschaftlich zu präsent. Das führte beispielsweise dazu, dass inzwischen schon mehrere Generationen junger Menschen in Kärnten mit “Halbwahrheiten” über beispielsweise Kärntens zweisprachige Vergangenheit, die sogenannten “Windischen” und den Widerstand der Kärntner PartisanInnen aufwuchsen. Es ist höchste Zeit, dass die Vergangenheit in Kärnten/Koroška in mehreren Facetten erzählt wird. Es ist höchste Zeit, dass Kärntens vielschichtigere – und natürlich stets zweisprachige – Vergangenheit auch sichtbarer wird! Wir wünschen uns mehr Widerstand gegen ideologisch verfärbte und problematische Gedenkpolitik, wie sie über Jahrzehnte von einschlägigen Netzwerken betrieben wurde. Kärnten/Koroška ist es seinen BürgerInnen schuldig, dass endlich “wahrere Wahrheiten” erzählt werden!