Initiative / Iniciativa

Der AK Freiheit/Svoboda setzt sich für zeitgemäße Erinnerungskultur in Ferlach/Borovlje und dem zweisprachigen Süden Kärntens ein. Dies erreicht er durch Vernetzung mit weiteren relevanten AkteurInnen und Initiativen, Kontexttafeln und Ausstellungen auf dem privatem Grundstück unmittelbar hinter der Tafel der Stadtgemeinde, mit Informationsblättern und Aussendungen in der Stadtgemeinde Ferlach/Borovlje, der Veranstaltung von alternativen Festen und wissenschaftlichen Veranstaltungen.

Kontexttafeln und Ausstellungen

Noch im Oktober 2022 wurde eine erste Kontexttafel hinter der damals neu aufgestellten problematischen Tafel der Stadtgemeinde aufgestellt. Sie trug den Text:

1920 fand in diesem Gebäude keine Abstimmung über die “Freiheit Kärntens“ statt, sondern eine Volksabstimmung über die nationale Zugehörigkeit Südkärntens. Bei der Volkszählung 1910 gaben noch 68,6% der Bevölkerung in Südkärnten Slowenisch als Umgangssprache an.
Die versuchte Germanisierung Südkärntens kostete zehntausenden Kärntner:innen ihre Muttersprache, vielen auch das Leben. Heutigen Jugendlichen wurde der Zugang zur Zwei- und Mehrsprachigkeit erschwert.
Zaradi germanizacije južne Koroške je nešteto Korošcev izgubilo svoj materinski jezik. Njihovi potomci imajo danes otežkočen dostop do dvo- in večjezičnosti. Koroška ima še danes vidne težave s svojo preteklostjo.

Nach einem Jahr musste diese Tafel witterungsbedingt ausgetauscht werden. Die InitiatorInnen erstellten eine zweite “Kontexttafel”, um diese am 09. Oktober 2023 – vor dem sogenannten “Fackelumzug” in Ferlach/Borovlje – aufzustellen. Für den Inhalt dieser Tafel wurde bewusst ein humoristischer Zugang gewählt: Für Entspannung im Thema Erinnerungskultur! Zugleich sollte diese zweite Tafel auch eine Einladung sein, ein Jahr später gemeinsam ein alternatives Fest zum 10. Oktober zu feiern. Diese zweite Kontexttafel wurde zweimal von Unbekannten entwendet und einmal beschädigt. Sie wurde jedes Mal innerhalb kürzester Zeit neu aufgestellt. Am 10. Oktober 2024 wurde im Rahmen des erfolgreichen alternativen Fests zum Plebiszit die bis zuletzt aktuelle Kontexttafel aufgestellt. Sie trägt den Text:

Ta hiša je danes dom raznolikosti, dvo- in večjezičnosti.
In diesem Haus werden heute Vielfalt, Zwei- und Mehrsprachigkeit gelebt.

Informationsblätter, Aussendungen und Medienarbeit

Der AK Ferlach/Borovlje sendet regelmäßig Informationsblätter in der Stadtgemeinde Ferlach/Borovlje aus. Auch bemüht sich der Verein um regelmäßige Medienarbeit in deutsch- und slowenischsprachigen kärntner, österreichischen und internationalen Medien. Eine Auswahl davon ist auf der Startseite der Homepage einsehbar und zum Download bereitgestellt.

Wissenschaftliche Veranstaltungen und Vorträge

“Zur Gegenwart und Zukunft der Erinnerung in Kärnten/Koroška” war der Titel einer öffentlichen Konferenz, die am 20. September 2023 im Rondeau im Schloss Ferlach stattfand. Rund 60 Personen waren gekommen, um an diesem “diskursiven Symposium für eine inklusivere Erinnerung im zweisprachigen Süden Kärntens” teilzunehmen. Die Veranstaltung wurde vom Land Kärnten finanziell unterstützt, die Stadtgemeinde Ferlach finanzierte Kost und Logis. Einige bedeutende Fakten der Vortragenden sollen hier zusammengefasst werden:

1. Der Historiker Robert Knight legte in seinem Vortrag dar, dass der Begriff der “Freiheit Kärntens” im Kontext des Plebiszits von 1920 stets deutschnational konnotiert war und daher als problematisch anzusehen ist.

2. Die Bildungswissenschafterin Nadja Danglmaier betonte, dass Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus erst in den letzten Jahrzehnten auch an öffentlichen Orten installiert wurden. Zuvor wurden sie überwiegend auf privaten Grundstücken und Friedhöfen errichtet. Öffentlicher Diskurs rund um neue Erinnerungszeichen sei aber essentiell.

3. Der Kulturanthropologe Klaus Schönberger zeigte auf, dass Inhalte und Orte von Denkmälern auch die Frage aufwerfen, wem der öffentliche Raum überhaupt gehöre. Bei der Besetzung von Plätzen durch Denkmäler gehe es weniger um Geschichte, als um einen Versuch, die Sichtweise auf die Gegenwart zu definieren.

4. Vertreterinnen des Vereins „Denk(a)mål-Spunij se“ thematisierten das mit dem Nationalsozialismus im Kontext stehende Denkmal am St. Jakober Hauptplatz.

5. Der Historiker Werner Koroschitz referierte über Beispiele zeitgemäßer Erinnerungskultur in südkärntner Gemeinden.

6. Petra Kohlenprath vom Verein »Interferenzen« berichtete über 80 Jahre Bildung/Schulwesen in Loibltal/Brodi – 1893 bis 1973. Hier leitete der Deutsche Schulverein Südmark ab 1923 ebenso eine Schule.

7. Der Historiker Florian Rulitz sprach von Traumen und Konflikten zwischen Germanisierung/Deutschnationalismus (“Windische”) und slowenischer Nationalidentität basierend auf seiner eigenen Familienbiografie.

8. Martin Stermitz, Leiter der Abteilung für Landesgeschichte am Landesmuseum Kärnten, stellte dar, dass originale Gedenktafeln mit Texten, die den Plebiszit 1920 als “Abstimmung um die Freiheit Kärntens” bezeichnen, offenbar in den 1930er Jahren von deutschnationalen “Schutzvereinen” aufgestellt wurden.

9. Johannes W. Schaschl stellte amtliche Statistiken aus dem Jahr 1894 über die Umgangssprache der einheimischen Bevölkerung in der Monarchie vor: So war z.B. das Zentrum von Ferlach mit Pfarre, Fachschule, Schule, Post und Telegraphenamt bei der Volkszählung 1890 fast zur Hälfte umgangssprachlich Slowenisch (47%). Im gesamten Gerichtsbezirk Ferlach/Sodni okraj Borovlje mit 10.784 Menschen sprachen damals 87 % Slowenisch und 13 % Deutsch.

10. Gorazd Živkovič, Landeskonservator von Kärnten, sprach von Herausforderungen in Bezug auf die Problematisierung von Denkmälern sowie positiven Beispielen dafür, etwa den Kriegerdenkmälern in Villach/Beljak – Pfk. St.Jakob bzw. in Fürnitz/Brnca.

Dr. Daniel Wutti war gemeinsam mit Dr. Silvia Jelinek Gastredner beim Fest am Domplatz im Juni 2024.

Auch beim alternativen Fest zum Plebiszit am 10. Oktober 2024 gab es Vorträge und Inputs, unter anderem von Dr. Klaus Schönberger (Universität Klagenfurt), Manfred Morokutti (Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška), Roman Verdel (SPD Borovlje und Volilna skupnost).